Vitaris News Waagen Worauf sollte man beim Kauf und bei der Nutzung von Laborwaagen achten?

Worauf sollte man beim Kauf und bei der Nutzung von Laborwaagen achten?

Geschrieben von Marvin Werthmueller • Publiziert am 17. November 2025

Laborwaagen sind hochpräzise Messinstrumente und ein technisches Meisterwerk im Sensorbereich. Deshalb ist es besonders wichtig, sowohl bei der Anschaffung als auch beim Handling sorgfältig vorzugehen. Der folgende Beitrag informiert Sie, worauf Sie beim Kauf achten sollten und welche Punkte im Umgang mit der Waage entscheidend sind.

Was sollte ich beim Kauf einer Laborwaage beachten?

Orientieren Sie sich beim Kauf einer Laborwaage in erster Linie an drei zentralen Kriterien: Messbereich, Ablesbarkeit und Anforderungen. Der Messbereich beschreibt die minimale und maximale Kapazität und gibt damit das Gewichtsspektrum an, das die Waage erfassen kann. Die Ablesbarkeit, auch bekannt als Auflösung oder Anzahl der Dezimalstellen, bestimmt, wie fein Ihre Messungen dargestellt werden und wie viele Dezimalstellen Sie für Ihre Arbeit benötigen. Unter Anforderungen versteht man alle zusätzlichen Bedingungen, die Ihre Anwendung an die Waage stellt. Die folgenden allgemeinen Fragen helfen Ihnen dabei, diese Anforderungen klar zu definieren:

  • Was wiegen Sie? Handelt es sich um empfindliche, sehr kleine oder grosse Proben? Sind sie anfällig für statische Aufladung oder handelt es sich um hochviskose Produkte, die spezielle Filter oder Umgebungsbedingungen erfordern?
  • In welcher Umgebung wird gewogen? Labor, Produktion oder Ausseneinsatz?
  • Muss die Waage auf eine bestimmte Höhe geeicht werden (postal code)?
  • Benötigen Sie besondere Optionen zur Datenübertragung, wie Drucken oder Exportieren von Daten?
  • Gibt es spezifische Dokumentations- oder Kennzeichnungsanforderungen, z. B. GLP/GMP/GCP/ISO-Konformität?
  • Gibt es regulatorische Vorgaben, an die Sie sich halten müssen, z. B. USP oder FDA?
  • Benötigen Sie „Legal for Trade“-Zulassungen?
  • Muss die Waage abwaschbar oder staubdicht sein? (Stichwort: IP-Schutzart)

Waagen werden in der Regel anhand ihrer Ablesbarkeit und ihrer maximalen Kapazität kategorisiert. Begriffe wie Präzisionswaage, Analysenwaage, Kompaktwaagen, Semimikrowaage, Mikrowaage oder Ultra-Mikrowaage sind branchenübliche Bezeichnungen, aber keine streng normierten Kategorien. Es gibt offizielle Klassifizierungen von Waagen, aber sie betreffen die Genauigkeit, nicht die Produktbezeichnung (z.B. OIML / EN / Eichrecht).

Einkaufguide von A&D Instruments

Was sollte ich beim Handling einer Waage beachten?

Tipp 1: Standort und Unterlage

Laborwaagen reagieren empfindlich auf Vibrationen, Sonnenlicht, Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen sowie Luftzug. Bereiche mit viel Personenverkehr, grossen Labor-Geräten oder direktem Sonnenlicht führen häufig zu Drift oder ungenauen Ergebnissen. Installieren Sie die Waage in einem ruhigen Bereich, idealerweise in einer Raumecke und fern von Türen, Fenstern sowie grossen Laborgeräten (z.B. Laborkühlschrank). Ein vibrationsarmer Tisch, konstante Temperaturen und eine relative Feuchtigkeit zwischen 45–60 % verbessern die Messergebnisse deutlich.

Gegen Vibrationen können Anti-Vibrationsplatten oder ein Anti-Vibrationstische eingesetzt werden. Ab der Klasse der Semimikrowaage wird die Verwendung eines Anti-Vibrationstisches empfohlen.

Tipp 2: Elektrostatische Aufladung

Elektrostatische Aufladung, z. B. durch Kunststoffgefässe oder trockene Luft, kann Proben beeinflussen und Wägergebnisse verfälschen. Besonders bei Mikrowaagen sind schon kleine Ladungen problematisch. Ionisatoren neutralisieren diese Ladungen, indem sie positive und negative Ionen erzeugen und sorgen so für zuverlässige Messergebnisse.

Tipp 3: Wägegefässe

Zu grosse Gefässe erhöhen den Einfluss von Luftströmungen, offene Gefässe begünstigen Verdunstung. Kunststoff kann sich elektrostatisch aufladen, Metalle können magnetisch stören – beides beeinflusst das Ergebnis. Wählen Sie das kleinstmögliche Gefäss, das die Probe sicher fasst. Flüssigkeiten möglichst verschliessen. Das Material sollte nicht reagieren, möglichst antistatisch und nicht magnetisch sein.

Tipp 4: Levelling

Mit dem „Levelling“ einer Laborwaage ist das Ausrichten der Waage in eine exakt waagerechte Position gemeint. Praktisch bedeutet das, dass die Waage so aufgestellt wird, dass ihre Waagschale perfekt horizontal liegt. Viele der Laborwaagen haben eingebaute Wasserwaagen oder kleine Libellen, um dies zu unterstützen.

Tipp 5: Hände

Soger ein Fingerabdruck hat ein bestimmtes Gewicht. Fett- und Ölreste von Händen können Laborwaagen und Proben verschmutzen, die Waagenoberfläche angreifen oder Messergebnisse verfälschen. Daher sollten Laborwaagen nur mit sauberen Händen oder Handschuhen berührt werden, um Kontaminationen zu vermeiden. Saubere, fusselfreie Handschuhe verhindern Verunreinigungen.

Tipp 6: Technischer Service

Laborwaagen sind hochsensible Messinstrumente, deren Genauigkeit für verlässliche Ergebnisse entscheidend ist. Daher müssen sie regelmäßig kalibriert und gewartet werden. Neben der routinemäßigen Pflege sind auch IQ- (Installation Qualification) und OQ- (Operational Qualification) Prüfungen wichtig, um sicherzustellen, dass die Waage korrekt installiert ist und zuverlässig funktioniert. Teilweise werden Kalibrierungen nach festgelegten Normen durchgeführt, um die Messgenauigkeit und Rückführbarkeit auf nationale oder internationale Standards zu gewährleisten. Eine konsequente Wartung und Kalibrierung sichert somit die Qualität und Validität aller Laborergebnisse.

Tipp 7: Betriebsbereitschaft

Nach dem Einschalten benötigt die Waage Zeit, um sich auf Betriebstemperatur einzustellen. Ohne ausreichende Aufwärmphase können die Messwerte instabil und nicht vergleichbar sein. Je empfindlicher die Waage, desto länger fällt die Aufwärmzeit aus. Bei hochpräzisen Geräten kann dies mehrere Stunden dauern. Hinweise zur optimalen Aufwärmzeit liefert das Betriebshandbuch. Daher empfiehlt es sich, die Waage im Standby zu belassen, statt sie täglich komplett auszuschalten.

Tipp 8: Überlastung

A&D‑Waagen verfügen über verschiedene Mechanismen zum Schutz vor Überlastung. Mechanische Lösungen wie Blattfedern oder Überlaststopp verhindern Schäden durch zu hohe Lasten, während elektronische Systeme und Sensoren starke Stösse erkennen und melden. Hochpräzise Modelle nutzen zusätzlich robuste Lastzellen und Impact-Shock-Detection, um Messgenauigkeit und Gerät zu schützen.

Jede Waage hat jedoch eine maximale Kapazität, wird diese überschritten, kann der Sensor dauerhaft beschädigt werden. Daher sollten Gegenstände stets vorsichtig auf die Wägeplatte gelegt werden, das maximale Gewicht – einschließlich Gefäß – beachtet und die Waage nach Überlastung überprüft und ggf. neu kalibriert werden.

Tipp 9: Reinigung

Die Reinigung sorgt dafür, dass Messungen präzise bleiben, Kreuzkontamination vermieden wird, die Sicherheit im Labor gewährleistet ist und die Langlebigkeit der Waage erhalten bleibt. Bei der Reinigung sollte man die Herstellerhinweise beachten, um die Waage nicht zu beschädigen. Meist werden sanfte Reinigungsmittel und fusselfreie Tücher empfohlen, aggressive Chemikalien sind oft tabu.

Unterstützendes Leistungsangebot von VITARIS

Nebst den A&D Laborwaagen bietet VITARIS folgende Produkte und Dienstleistungen im Umgang mit Waagen:

A&D Instruments

Anti-Vibrationsplatte

AD-1671 – ideal für Mikro- und Semi-Mikro-Waagen.

A&D Instruments

Anti-Vibrationstisch

ADI-MWT – ideal für Mikro- und Semi-Mikro-Waagen.

A&D Instruments

Elektrostatisches Feldmessgerät

AD-1684A – für elektrostatische Feldmessungen

A&D Instruments

Wäge-Umgebungslogger

AD-1687 – Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Vibration
& Wäge­daten

VITARIS

Service

Installation, IQ/OQ, Wartung, Kalibrierung, Akkreditierte Kalibrierungen etc.

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Autor

Marvin Werthmueller

Seit 2024 engagiert sich Marvin als Mitglied des Beirats der ILMAC – der führenden Fachmesse für Life Sciences und Chemie in der Schweiz – und baut sein Netzwerk in der Branche kontinuierlich aus. Innerhalb der Vitaris AG unterstützt er aus der Chromos Group AG heraus die strategische Geschäftsentwicklung als Business Development Manager. Darüber hinaus verantwortet er als Head of Operations zahlreiche operative Kernprozesse und trägt dabei massgeblich zur Weiterentwicklung der Organisation bei. Mit seinem breiten Erfahrungsschatz aus verschiedensten Industrien bringt Marvin insbesondere eine ausgeprägte kommerzielle Perspektive in seine Aufgaben ein.

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